TERRANI CONTEMPORARY
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" Warum soll ich denn leiden, wenn ich Kunst sehe?"

von Susanne Lang in Der Philotast

link:   http://www.philotast.de/kuenste.htm

Terranis Bilder fallen auf, bestechen durch ihre Farbkompositionen, schmeicheln dem Auge des Betrachters. Nicht erst dann fragt sich der Betrachter, wie er die Bilder einordnen soll, ob er sie überhaupt einordnen kann. Spontan erinnern sie an Pop Art, jedoch in mehreren Facetten verfeinert. Marcel Terranis Werke stehen in der Tradition der Decollage. Bei einer Decollage im ursprünglichen Sinne werden Werbeplakate manipuliert und zerrissen, diese innovative Technik wurde Anfang der 1950er Jahre von Mimmo Rotella entwickelt und von Wolf Vostell aufgegriffen. Terrani erweitert die Decollage mithilfe digitaler Medien, auch Fotos und Zeitschriften werden zur Erstellung der Collage-Rohlinge benutzt. Der Künstler selbst bezeichnet seine Stilrichtung als Neo Pop Art.

Im Umgang mit digitalen Werkzeugen sieht sich Terrani in der Tradition Richard Hamiltons: "Ohne eine Idee geht natürlich gar nichts" (Hamilton im Interview in der Zeitschrift Monopol 4/2007 zu seinem neuesten Buch "Malen nach Zahlen"). So bringt Richard Hamilton, dessen großartige Impulse der Pop Art enscheidend ihren Weg bereiteten, sein positives Verhältnis zur digitalen Kunst auf den Punkt. Für ihn ist der Computer ein Arbeitsmittel, dessen Bedeutung für die moderne Kunst den Werkzeugen Pinsel und Farbe in nichts nachsteht.

In diesem Sinne nutzt Terrani auf intelligenteste Weise die Techniken seiner Zeit, denn er lebt im Hier und Jetzt und verarbeitet sein Leben in dieser Welt mit seinen Werken. Die Vorgehensweise beim Entstehen eines Werkes ist immer ähnlich. Aus verschiedenen Medien wird als Rohling eine grobe Collage gefertigt. In digitalisierter Form wird die Collage entfärbt, sie ist dann monochrom. In mehreren  Bearbeitungsschritten werden die Werke neu eingefärbt beziehungsweise einzelne Bereiche der Arbeiten  rein malerisch gestalltet. Der handwerkliche Aufwand ist für jedes Werk ähnlich, egal, welches Thema aufgearbeitet wird.

Zwei Komponenten dominieren den ersten Eindruck des Betrachters: Schönheit und Ästhetik. Erst auf den zweiten Blick entstehen Brüche in der Wahrnehmung, die eine eindeutige platte Deutung unmöglich machen. Oft bieten die Bildtitel Denkanstöße oder in die Bilder sind Textphrasen eingebaut, die zu Verzerrungen führen. Deshalb sind seine Bilder keine " Dekorationsobjekte " und bestehen aus vielen Facetten. Auf der einen Seite wird Zeitgeschichte durch sorgfältige Recherche chronologisch aufgearbeitet. Die andere Seite bildet eine Collagekunst, die abstrahiert und mit digitalen Mitteln Bilder und Wahrnehmungen des Hier und Jetzt zusammenbringt. Es entstehen Bilder, die mit den oberflächlichen Mitteln der Pop Art versuchen ein Thema vertieft darzustellen. Dabei soll jedoch jede Offensichtlichkeit vermieden werden, auch der Betrachter soll seinen Beitrag zum Gesamtkunstwerk leisten. Nach Terranis Ansicht sind nur 90 % der Bilder fertig, 10 % entstehen durch die Wahrnehmung der Betrachter, die durch persönliche Historie und Erfahrung geprägt sind. Terranis Schöpfungen sind Essays in Bildern, bei denen die Protagonisten Teile ihres Lebens dem Betrachter offenbaren, die oft im Gegensatz zu der über allem schwebenden Farbharmonie der Bilder stehen. Jedes Werk erzählt eine eigene Geschichte, informative Kunst ist getarnt mit Schönheit.
       
Im Bild "Life wasn’t meant to be fair" ist der Lebensweg wie ein Kinderspiel aufgebaut, der Spieler folgt dem vorgezeichneten Weg und macht auf den einzelnen Spielfeldern Rast, bestimmte Aufgaben oder Schicksalschläge werden ihm auferlegt. Dass das Leben in Analogie kein Kinderspiel ist, zeigt die Sprechblase einer Mickeymouse: "Das Leben ist nicht immer fair". Ein Lebensweg ist nicht immer planbar, manche Dinge geschehen einfach, allerdings muss man dem Glück eine Chance bieten und ein Ziel vor Augen haben. Auf das Spiel übertragen, muss ein Protagonist immer wieder würfeln, nie stillstehen. Terrani ist jedoch kein Konzeptkünstler, legt auch keinen missionarischen Eifer in seinen Bildaussagen. Wenn sich die Aussage des Bildes dem Betrachter nicht erschließt, so ist dies durchaus legitim, jeder kann das Werk genießen, ob er sich mit der Bildaussage beschäftigt oder nicht. Wenn eine Kaufentscheidung allein aus farbästhetischen Gründen geschieht, so hat dies auch für den Künstler seine Berechtigung. Dies steht einem elitären Kunstverständnis entgegen, indem der Künstler immer nach Einzigartigkeit strebt.Terrani sieht seine Arbeit als Arbeit für die Zukunft, denn erst dann ist ein Werk in seiner Gesamtheit zu beurteilen und in seiner eventuell gegebenen Einzigartigkeit zu würdigen.

Marcel Terrani hält auf geschickte Weise die Balance zwischen einer Kunst, die auf eine gewisse Weise kommerziell ist und einer Kunst, die wirklich innovativ ist, provoziert und nachdenklich macht.